SVV heisst Selbst Verletztendes Verhalten und tritt in verschiedenen Formen auf:

- schneiden mit scharfen Gegenständen wie z. B. Rasierklingen und Messern

 

Ursachen

Um die Ursachen für SVV herauszufinden, betrachtet man die Zeit von Kindheit bis Pubertät. Verschiedene Gegebenheiten während dieser Zeit können zuverlässige Indikatoren für die Häufigkeit wie auch die Schwere der Verletzungen sein.
"... Vernachlässigung ist der stärkste Auslöser für SVV. Dieses deutet darauf hin, daß obwohl ein Kindheitstrauma ein starker Auslöser für den Beginn des selbstverletzenden Verhaltens ist, die Vernachlässigung dieses Verhalten aufrechterhält. Die, die sich nicht erinnern konnten, sich als Kind als etwas besonderes gefühlt zu haben oder von geliebt zu sein, waren am wenigsten fähig ihre Selbstverletzung unter Kontrolle zu bekommen."
Opfer von sexuellem Missbrauch neigen am ehesten von allen zum Schneiden. Je früher der Missbrauch anfing, desto eher griffen die Betroffenen zum Messer und desto tiefer waren die Schnitte.
Obwohl sexueller und physischer Missbrauch und Vernachlässigung SVV offensichtlich stark begünstigen, hält die Umkehrthese diesem nicht stand. Viele von denen die sich selber verletzen, haben in der Kindheit keinen Missbrauch erlebt.
Linehan (1993a) spricht darüber, dass Leute mit SVV in krankmachender Umgebung aufgewachsen sind. Während natürlich Missbrauch ganz sicher krank macht, so gibt es jedoch auch andere, ganz "normale" Situationen, die auch krank machen können. Sie sagt:
"Eine Umgebung, in der der Mensch nicht beachtet und geachtet wird ist eine, welche persönliche Erfahrungen unstet, unangemessen oder extrem spiegelt. In anderen Worten ist das Formulieren von eigenen Erfahrungen nicht erwünscht; anstatt dessen wird es oft bestraft und/oder ins Lächerliche gezogen. Das Formulieren von schmerzvollen Erfahrungen wird abgelehnt. Die persönliche Auslegung des eigenen Verhaltens, inklusive der Erfahrung, mit welcher Absicht und Motivation etwas getan wurde, werden abgewertet..."
"Das was krank macht, hat zwei primäre Charakteristiken. Erstens sagt es dem Individuum, dass es falsch liegt, in der Beschreibung wie auch der Analyse der eigenen Erfahrung. Speziell die Sicht dessen, was seine Gefühle, seinen Glauben und seine Handlung hervorruft. Zweitens werden ihre Erfahrungen als von der Gesellschaft unakzeptable Charakteristika oder unakzeptable persönliche Züge eingestuft."

 

          Hilfe für Angehörige:

Jemand hat Dir anvertraut, dass er/sie sich selbst verletzt oder Du hast es zufällig selbst entdeckt. Nun möchte Du Dich zu diesem Thema informieren bzw. damit auseinandersetzen, weil Du nicht weisst, wie du damit umgehen sollst. Diese Seite soll als eine kleine Hilfe dienen.

                        



Nimm es nicht persönlich!

SVV hat mit der Person zu tun, die es tut und weniger mit den Leuten, die um sie herum sind. Die Person, um welche Du Dich sorgst schneidet, brennt, schlägt oder kratzt tut das alles nicht, damit Du Dich schlecht oder schuldig fühlst. Sogar wenn es wie eine Manipulation aussieht; ist es wahrscheinlich nicht so gemeint. Leute verletzen sich generell nicht selber um dramatisch zu wirken, um andere zu ärgern oder um auf sich aufmerksam zu machen.


Informiere Dich!

Informiere Dich so gut es geht über SVV. Diese HP ist ein guter Start; es gibt auch einige sehr aufschlussreiche Bücher über das Thema ("Bodies under siege" von Favazza, "The scarred soul" von Alderman und "a bright red scream" von Strong).Das Buch von Favazza ist in einem sehr nüchternen Ton geschrieben, Das Buch von Alderman orientiert sich in Richtung Selbsthilfe und das Buch von Strong präsentiert die Stimmen von SVV-lern, welche darüber sprechen, was sie tun und weshalb - es lässt Dich die SVV-ler besser verstehen. Alle drei Bücher enthalten sehr viele gute Informationen und Ratschläge.


Versuche, Deine Gefühle zu verstehen!

Sei ehrlich zu Dir selbst und bei Deinen Gefühlen, wenn Du von SVV hörst und was Du darüber denkst. Mach Dir nicht vor, es sei für Dich o.k., wenn dem nicht so ist - viele Leute finden SVV abstossend, beängstigend oder provozierend (Favazza 1996, Alderman, 1997). Wenn Du Hilfe brauchst um mit diesen aufkommenden Gefühlen fertig zu werden, suche eine gute Terapeutin. Sei vorsichtig, dass Du nicht versuchst eine "Ersatz-Therapie" für das betroffene Familienmitglied, den betroffenen Freund zu machen. Was in Deiner Therapie abgeht, das sollte zwischen Dir und Deiner Therapeutin bleiben.
Frag Deine Therapeutin nicht, ob sie eine Diagnose über den befreundeten/verwandten SVV-ler erstellt oder ihn/sie gar therapiert (abgesehen davon, dass eine gute Therapeutin dies sowieso ablehnen würde). Falls der SVV-ler eine Therapie möchte stell sicher, dass er/sie nicht zu Deiner Therapeutin geht. Diskutiere den Inhalt Deiner Therapie nicht in allen, aber in den meißten allgemeinen Punkten und sage nie:" meine Therapeutin sagt, du solltest..." Eine Therapie ist dazu da, sich selber zu verstehen und nicht um andere dazu zu bringen, sich zu ändern.

                               


Helfen, ohne das SVV zu verstärken!

Es ist wichtig, dass Dein Freund, Liebhaber, Kind, Geschwisterteil weiss, dass Du unterscheiden kannst zwischen dem, was er tut und dem, was er ist und dass Du ihn trotz allem liebst. Sei verfügbar, so oft wie Du kannst. Lege Deine persönlichen Gefühle von Angst oder Ekel was SVV betrifft zur Seite und konzentriere Dich darauf, was mit der Person passiert.

                            

Ich hasse mich.
Ich hasse mich weil ich mich hasse.
Ich schneide mich weil ich mich hasse.
Ich hasse mich weil ich mich schneide.
Ich hasse mich weil ich mich hasse.
Ich hasse mich.

www.Rotetraenen.de

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