Die Entstehung der Skinheadszene in England

Jegliche Definition und Verallgemeinerung ist bei einer so weit verbreiteten Jugendsubkultur kaum noch möglich.

- Die Wurzeln liegen weit zurück
- beginnen in den 60er Jahren in den Armenvierteln im Londoner East End
- das waren traditionelle Arbeiterwohngebiete
- schlechtverdienende Arbeiter standen qualifizierten gutverd. Facharbeitern, Angestellten gegenüber
- Zerstörung des Lebensmilieus durch Sanierungsprojekte ( sterile Wohnsilos)
- Schließungen von Tante Emma Läden und Kneipen
- am stärksten waren die sozial benachteiligten Jugendlichen betroffen
- sie wollten ihr "Revier verteidigen" - da Zuwachs von vielen farbigen Ausländern (Zerstörung des ausgeprägten Working Class- Bewusstseins)
- allerdings keine Seltenheit: schwarze Skins (Rude Boys)
- Motto: „Der schwarze Fließbandarbeiter neben mir hat mehr mit mir gemeinsam als ein weißer Bankangestellter“
- es bildeten sich kleine Straßengangs
- Aufleben alter Werte (Männlichkeit, Kameradschaft, Sauberkeit, Disziplin)
- Arbeiterkleidung: feste Arbeitshosen (meist Jeans), Braces, einfache Hemden und robuste Stiefel (Doc Martens)
- ab Mitte der 80er: Bomberjacke, Militärkleidung, Kurzhaarschnitt (erst 1976/77 zum Markenzeichen)
- Opposition gegen Hippiekultur (kamen aus gutbürgerlichen Verhältnissen, besuchten bessere Schulen, lehnten Gewalt ab)
- wegen ihrer langen Haare hielt man sie für unmännlich, zu weich, schwächlich)


Kleidung

- hochgekrempelte Jeans (Levi‘s, Wrangler, Lee) die legendären Levi‘s Sta Prest mit Braces
- Button-Down-Shirts - Hemden mit geknöpften Kragenenden - oft von Ben Sherman
- Polohemden, meist Fred Perry (Fred Perry, der die Sportmarke später begründete, gewann als erster Tennisspieler aus dem Arbeitermilieu das Turnier in Wimbledon)
- weiße T-Shirts, Pullunder, V-Pullover
- Harringtons - Bundjacken mit Futter im Schottenmuster oder Jeansjacken
- lange Mäntel, Schiebermützen

ab 1980:

- bedruckte T-Shirts und Kapuzenpullover
- Sportkleidung von Lonsdale (Ausstatter von Boxvereinen)
- Bomberjacken und Donkey Jackets - schwarze geknöpfte hüftlange Jacken aus schwerem Filz mit PVC-Besatz an den Schultern
- Farben der Schnürsenkel spielen im Allgemeinen keine Rolle


Frauen:

- bevorzugten Miniröcke
- Netzstrumpfhosen
- weiße Socken
- Anzüge sowie Hemden
- Jeans, Polos
- Boots, Braces


- fast genau wie die männlichen Skins auch


Zur Frisur der Mädels:


Innerhalb der Skinheads gibt es relativ wenige sogenannte Renees. Scheinbar werden sie oft von der stark männerorientierten Szene abgeschreckt. Im gesamten Auftreten gleichen sie eher ihren männlichen Pendants. Spezielle Frauenvereinigungen (wie z. B. bei Rechten üblich) gibt es nicht.

Modisch unterscheiden sie sich durch einen Haarschnitt, der im Nacken und an den Ohren längere Haare (Feathers) hat. Auch bei den heute "Reenes", damals "Sorts" genannten Skingirls, wurde in den Anfangszeiten des Kultes das Kopfhaar niemals rasiert, sondern trotz des obligatorischen Kurzhaarschnittes wesentlich länger getragen als heutzutage. Die heutigen Frisuren der Reenes mit dem oft bis auf die Kopfhaut rasierten Deckhaar und dem längergelassenen Pony (dem sogenannten "Kranz") kam erst im Zuge der achtziger Jahre auf und stellt eine Kopie des männlichen Haarschnitts dar.Wenn es die Witterung zuläßt werden Miniröcke in Kombination mit Netzstrümpfen getragen. Sonst ist die Kleiderordnung analog zum Skinhead.



Einflüsse anderer Jugendkulturen
Die Skinheads wurden nicht nur durch das Arbeitermilieu geprägt, sondern auch durch die:

1 Hard Mods
2 Rude Boys
3 Boot Boys

1) - Teil der Modbewegung
- mod = modern
- Ende der 50er in den Clubs und Cafés des Londoner Stadtteils Soho entstanden
- lebten in noch ärmeren Lebensverhältnissen (Unterschicht)
- Schwierig, aufwendigen Lebensstil zu finanzieren
- Arbeiteten als einfache Verkäufer
- liebten noble Kleidung, Vespas, konsumierten Aufputschmittel
- trugen schon früher u.a. Schwere Stiefel , Braces , Jeans
- taten sich mit Rude Boys zusammen
- hatten 1965 ihren Höhepunkt schon überschritten
- wurden teilweise zu Skinheads

2) - Rudies genannt
- Söhne farbiger Einwanderer aus Jamaika oder den Westindischen Inseln
- Kopie des extremen Kurzhaarschnitt (Crop), die hochgekrempelten Hosen und die Hosenträger
- brachten den Ska und Reggae von Jamaika nach England, zu dem man gut tanzen konnte

3) - 1966: Fußballboom
- jeder größere Verein bekam seine Anhänger
- trugen schwere Stiefel (die Boots), einfache Hemden, Jeans
- wöchentlich stattfindende Schlachten in den Fußballstadien mit gegnerischen Fans
- keine Rolle: die Mode und Musik
- wichtig: die eigene Gang, Kneipenbesuche und Randale bei Fußballspielen


Viele Skins stammten 1967 und 1969 aus den Reihen der Boot Boys



Skinheads in der BRD

- erste Skins gab es ca. 1977/78 in Westdeutschland
- Punks wechselten die Szene
(die Ihrige wurde zu langweilig, große Linksentwicklung)
- viele Fußballfans und Hooligans schlossen sich den Skinheads an
- gemeinsame Vorlieben: Alkohol, Randale und natürlich Fußball

Die gewalttätigsten Gruppen fußballbegeisterter Skins gab es zu jener Zeit in Berlin, Bremen und Hamburg
Skinheads in der DDR
- erste Skins: in Ostberlin 1982
- Weiterverbreitung dauerte einige Zeit
- viele Skins waren vom Punk geprägt, einige waren selbst Punks gewesen (es agb auch vermischte Szenen)
- Gemeinsamkeiten: Musik, die selben Treffpunkte, Alkohol
- die meisten Skinheads waren gewalttätiger als Punks, da sie oft soziale Frustrationen abreagierten
- keine Auftrittsmöglichkeiten
- man traf sich bei Fußballspielen oder bei Konzerten im Ausland
- in Ungarn bekam man billige Kleidung und Schallplatten auf dem Schwarzmarkt
- Szene eher regional orientiert, keine großen Treffen

Es gab 1989 in allen DDR Bezirken Skinheadgruppierungen.


Zurückführung auf die Neonazi Szene
- zunächst gab es nur vereinzelt rechtsextreme Tendenzen unter den westdeutschen Skins
- Im Juli und Dezember 1985 töteten Skinheads zwei Türken in Hamburg
negative Berichterstattung, schlechtes Bild auf Skinheadszene
- Zahlreiche Skins zogen sich zurück
- immer mehr rechtsorientierte Jugendliche nahmen ihren Platz ein
- Übergriffe auf Ausländer häuften sich
- Moderechte und Naziskins nahmen immer mehr Einfluss auf die Szene
- Outfit verstärkte sich bis hin zur Vollglatze
- kurz geschorene Haare, Bomberjacken und schwere Schnürstiefel
- das martialische Äußere (kurz geschorene Haare, Bomberjacken und schwere Schnürstiefel) entdeckten schließlich faschistische Gruppen für sich

Doch dieser heute weit verbreitete Kult geht über diese Behauptungen weit hinaus. Schon in ihrer Geschichte erkennt man, dass diese Szene weder rassistische noch nationalsozialistische Wurzeln hat.

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